Schulnetzplan 2012 - 2015

Redebeitrag zur Stadtratssitzung (September 2012)


von Martina Flämmich-Winckler

Uns liegt heute eine BV zur Schulnetzplanung vor, die wir in erster Lesung miteinander diskutieren wollen. Dieser BV sind als Vorleistung und Arbeitsgrundlage für den Schulentwicklungsausschuss eine wahre Flut von Zahlen und Diagrammen,  manchmal leider nicht ganz  einfach überschaubar – weil sie sich ständig änderten - von der Verwaltung zur Verfügung gestellt worden. Und selbst jetzt gibt es da noch Irritationen. Vielleicht könnten diese ja bis zur nächsten Schulnetzausschusssitzung nächsten Montag von der Verwaltung noch ausgeräumt werden. Bei der Gelegenheit dennoch Dank an die Verwaltung. Viele Ausschusssitzungen, Anhörungen, schriftliche Stellungnahmen, Besichtigungen vor Ort und Diskussionen, diese sicherlich auch in den Fraktionen, folgten.

Die jetzt durch den Stadtrat zu treffenden Entscheidungen sollten nicht von Kurzsichtigkeit geprägt sein und Bestand über die momentane Legislatur hinweg haben. Vielleicht erinnert sich der eine oder andere Stadtrat daran, dass DIE LINKE bereits beim letzten Schulentwicklungsplan den Neubau einer Staatlichen Schule, mit Blick auf die wachsenden Schülerzahlen, gefordert hat. Es gilt Fehler zu vermeiden und nicht neue zu machen. Dabei möchte ich bloß an die Aktion Heineschule und das Angergymnasium erinnern. Schließlich geht es hier nicht bloß um viel Geld sondern hauptsächlich um unsere Kinder und Jugendlichen, eben um Schülerinnen und Schüler und die sollten nicht nur in unserem Denken sondern auch in unserem und Handeln Priorität haben.

Die Fraktion DIE LINKE wird deshalb einer Zusammenlegung der beiden Berufsschulen am Standort Göschwitz nicht zustimmen, darauf drängen, dass nicht erst 2016/17 Gemeinschaftsschulenkapazität, inklusive für die Kastanienschule in Jena-Ost entsteht, sondern schon im nächsten Haushalt und im Wirtschaftsplan von KIJ die Voraussetzungen dafür  geschaffen werden und außerdem fehlende Grundschulkapazität in der Kernstadt mit dem Bau einer Grundschule im Westviertel  kompensiert wird.

Was die mangelnden Gymnasialkapazitäten oder einen gegebenenfalls neuen Standort für die Stoyschule betrifft, bietet sich aus unserer Sicht der Standort Burgau an.  Hier wären  nicht nur eine vorerst ausreichende Turnhallenkapazität und das dazugehörige Außengelände vorhanden, so dass dem Lehrplan für Sport ohne Kompromisse entsprochen werden könnte, sondern auch ein Fachkabinett für Chemie, wo der praktische Unterricht ohne Einschränkungen erfolgen kann, denn das Gebäude steht nämlich nicht wie die Stoyschule unter Denkmalschutz und selbst bezüglich der Toilettenanlagen gibt es augenscheinlich ausreichend Kapazität, wie ich mich im August persönlich vor Ort von den Gegebenheiten überzeugen konnte. Nicht unerwähnt möchte ich die verkehrsberuhigte Lage mit viel Grün, absolut kein Vergleich mit dem Krach an der stark frequentierten  Straße bei der Stoyschule, lassen. War der Lärm nicht auch der ausschlaggebende Grund, der damals für die Verlagerung des Angergymnasiums genannt wurde? Die Straßenbahnhaltestelle wäre bei diesem Standort quasi fast vor der Tür und die Schule somit gut erreichbar. Auch sollten wir uns im Klaren darüber sein, dass durch die vielfältige Bildungslandschaft in Jena an allen Schulen, egal ob Gemeinschafts- oder Gesamtschule, das Ablegen des Abiturs  möglich ist. Das eventuelle Gegenargument für den Standort Burgau  „keine Wohnortschule und somit nicht leicht erreichbar“ für ein Gymnasium möchte ich entkräften, in dem ich an den gut ausgebauten Jenaer Nahverkehr (nächstes Jahr werden übrigens 5 neue Straßenbahnen diesen weiter verbessern) erinnere und die Eltern, die unbedingt wollen, dass unter dem Abiturzeugnis ihres Kindes ein Gymnasialstempel ist, werden nicht erwarten, dass das Gymnasium direkt vor der Haustür ist. Noch einmal zur Erinnerung für alle Stadträt_innen, wo sich in Jena die verbliebenen Gymnasien, nach dem das Reichwein-, Schweizer und Häckelgymnasium nicht mehr existieren, befinden. Nämlich in Lobeda, Winzerla, Jena-Ost, Jena-Nord und die Spezi.

Und da in Jena nun mal  vieles anders ist als anderswo, ist es deshalb

auch nicht verwunderlich, dass die meisten Eltern in Jena die Schule für ihr Kind nicht unbedingt nach der Wohnortnähe sondern bewusst nach deren Schulprofil aussuchen. Bestimmt können sie sich noch an die von Orbit durchgeführte Studie, welche uns hier in diesem Hause vorgestellt wurde, erinnern. Ergebnis war, die meisten der befragten Eltern wünschten sich ein gemeinsames längeres Lernen für ihre Kinder. Diesem Wunsch werden Gemeinschaft- und Gesamtschulen gerecht. Nun will ich aber nicht die Schulen untereinander ausspielen, wahrlich nicht, denn auch das Gymnasium hat seine Daseinsberechtigung in der bunten Schullandschaft Jenas. Und dass die Eltern die Schule für ihr Kind nach dem Schulprofil auswählen zeigen z. B., ganz ohne Wertung genannt, die Jenaplanschule, das Schott- und chr. Gymnasium, die Lobdeburg-, die Kaleidoskop-  und Kulturschule. All diese Schulen sind keine reinen Wohngebietsschulen. Die Verwaltung dürfte diese Aussage von mir bestätigen können.

Außerdem denke ich, dass der sogenannte Generationswechsel in den einzelnen Stadtteilen sich auch in Zukunft weiter vollziehen wird und somit auch die Bedarfe an Schulkapazitäten sich jeweils dementsprechend vor Ort ändern werden. Und es gilt auch zu bedenken, dass nicht jeder Abiturient studieren wird. Für viele ist das Abitur ein Sprungbrett in eine qualifizierte berufliche Ausbildung, analog der Stoyschule. Sprich, wir müssen in Zukunft auch in den Berufsschulen mit wachsenden Bedarf rechnen.

Es würde mich nicht wundern, ohne hier jemanden persönlich zu nahe treten zu wollen, wenn es wieder Stadträte geben sollte, die erst einmal aus Prinzip den Kopf schütteln oder NEIN sagen werden, und das vielleicht nur, weil ich als LINKE unseren Standpunkt in die erste Lesung einbringe. Aber es geht hier nicht um Eitelkeiten, um Koalition oder Opposition, es geht um Schüler, auch um Lehrer, um viel Geld -  um sehr viel Geld sogar - und darum, dass nicht wieder Fehler gemacht werden dürfen.

Das alles sollten wir in unserer Entscheidungsfindung berücksichtigen und uns deshalb auch für diese wichtigen Entscheidungen  genügend Zeit lassen. Bis eben auf den Bau der Grundschule im Westviertel, der Gemeinschaftsschule in Jena-Ost inklusive der Kastanienschule und der Reaktivierung des Standortes in Burgau für ein Gymnasium, denn da ist dringender Handlungsbedarf angesagt.

Ansonsten freue ich mich auf eine spannende Diskussion und darauf, dass wir hoffentlich, nach sicherlich vielen Änderungsanträgen in der 2. Lesung, dann gemeinsam die richtigen Entscheidungen treffen werden und wir vorher noch klare Aussagen von der Verwaltung bekommen.