3. Februar 2012

Entwicklungen neuer Wohnbauflächen kontra Gartenentwicklungskonzept?

Dass Jena über zu wenig Wohnraum verfügt, ist ein altbekanntes Dilemma in der Saalestadt.


Mit dem Beschluss „Wohnen in Jena“ wollte der Stadtrat schrittweise eine Verbesserung erreichen. Leider wurden im Beschluss Forderungen der LINKEN, Wohnungsbau in verschiedenen, vor allem bezahlbaren Preissegmenten zu bauen, die Flächenpotentiale der Ortschaften zu nutzen und gleichzeitig ihre Verkehrsanbindung zu verbessern, nicht aufgenommen. Zugesichert wurde die Schwerpunktsetzung: Bestandsentwicklung im innerstädtischen Bereich mit kompakten mehrgeschossigen Häusern, eine Initiative für barrierefreies Bauen, die Kooperation mit dem Saale-Holzlandkreis, das Bemühen um verbessertes studentisches Wohnen sowie die Mobilisierung vorhandener Flächenpotentiale und innerstädtischer Bebauungsgebiete.
Der Bericht liegt jetzt vor und bietet ausreichend Stoff für Diskussionen, zumal eine Reihe von Fragen nicht beantwortet wurde. Welchen Stellenwert hat überhaupt noch das sich in Arbeit befindende Gartenentwicklungskonzept der Stadt, wenn bereits um-fangreich Gartenanlagen zur Disposition stehen? Liegt die Klimaanalyse für die Stadt schon vor? Sind schon Aufträge zur Wohnungsbebauung ausgelöst worden und wie hoch sollen künftig die Berg- und Waldhänge bebaut werden? Vor allem muss dabei diskutiert werden, welche Prioritäten es bei der zu-künftigen Stadtentwicklung gibt. Verkauft KIJ weiter scheibchenweise teuren innerstädtischen Boden für Einfamilienhäuser oder bauen wir dort mehrgeschossig? Wo entstehen zukünftig notwendige Schulen und Kindereinrichtungen? Kurz: welche Entwicklungskonzeption verfolgt die Stadt in den nächsten Jahren. DIE LINKE schlägt vor, endlich ausführlich mit allen Beteiligten darüber zu diskutieren.
Gegenwärtig gibt es ausreichend Wohnbebauungsstandorte, z.B. in Jena - Ost in den Fuchslöchern, in Ilmnitz und Isserstedt, aber auch zahlreiche Baulücken am Magdelstieg, in der Neugasse oder in Zwätzen. Vor allem in Zwätzen muss sich Jena un-bedingt an der Ausschreibung der Fläche der ehemaligen Studentenbaracken beteiligen. Diese und weitere freie und ungenutzte Flächen sollten zu-nächst bebaut werden, bevor Kleingartenflächen verplant werden. Kleingartenanlagen in und um Jena sind neben der sozialen Gemeinschaft und Freizeitgestaltung ein wichtiger Teil unserer „grünen Lunge“ und notwendig für die Verbesserung des Stadtklimas. Einen Zustand wie vor Jahren auf dem Friedensberg, als Gärten beräumt wurden und 6 Jahre lang keine Bebauung stattfand, darf sich nicht wiederholen.

Dr. Gudrun Lukin