Diese Website verwendet Cookies.
Zum Hauptinhalt springen
Beate Jonscher, Ira Lindner, Dr. Gudrun Lukin

Fragen des adfc Jena

1a. Halten Sie den Radverkehrsanteil in Jena („modal split“) für angemessen?

Der Anteil des Radverkehrs in Jena ist ausbaufähig, bzw. sollte erhöht werden.

Das ist auch eine Zielstellung des Mobilitätskonzeptes der Stadt sowie des Landes Thüringen. Derzeit bei 9%, soll er in konkreten Schritten auf 12% ff. gesteigert werden. Beim jüngsten Fahrradklima-Test  wurde Jena mit der Note 3,8 bewertet. Gut ist die Erreichbarkeit des Stadtzentrum mit dem Fahrrad, der wachsende Fahrradbestand, das Interesse am Radfahren.

 

1b. Falls Sie ihn als zu niedrig einschätzen: worin sehen Sie das Haupthindernis für mehr Radverkehr?

Eine Ursache sehen wir darin, dass in Jena Konzepte für den Verkehr im Allgemeinen fehlen und bei Planungen immer noch der Autoverkehr im Fokus steht. Eine weitere Ursache ist sicher auch in den fehlenden Radwegen zu suchen.

Ausbaufähig ist auch die Verkehrssicherheit auf etlichen Radfahrstreifen. Hier hat der Verband der Unfallforscher konkrete Vorschläge entwickelt. Notwendig ist die Verbesserung der Durchfahrt in der Innenstadt und sicherere Radwege für den Schüler*innenverkehr. Ebenso hat Jena dringenden Bedarf an weiteren, gern auch überdachten, Fahrradabstellanlagen an den Bahnhöfen, an ÖPNV-Endhaltestellen und Plätzen, um verstärkt Park& Ride zu ermöglichen, ebenso muss die Zahl der Abstellmöglichkeiten in der Innenstadt und im Umfeld öffentlicher Gebäude erhöht werden.

 

2a. Halten Sie die jährlich im Stadthaushalt eingestellten Mittel für den Radverkehr für ausreichend?

Eine zusätzliche Projekt-Finanzierung wäre zielführender.

Der Freistaat fördert verstärkt den Bau von Radwegen inner- und außerorts. Auch die Stadt Jena unterstützt den Radverkehr und die vom Beirat vorgeschlagenen Maßnahmen.
Gerade bei der Neugestaltung der Innenstadt (Inselplatz, Eichplatz, Zeiss u.a.) müssen die Belange des Umweltverbundes, aber auch der Radfahrer*innen verstärkt berücksichtigt werden.

Für den weiteren Ausbau der touristischen Radwege und des sogenannten Alltagsverkehrs, die Instandhaltung sowie die Beseitigung von Unfallschwerpunkten wird eine Erhöhung der Mittel notwendig sein.

 

2b. Wie hoch sollten Ihrer Meinung nach die jährlichen Pro-Kopf-Ausgaben für den Radverkehr sein?

Zwar werden Ausgaben wie in „traditionellen“ Fahrradländern nicht zu erreichen sein, aber wir sollten uns an Städten wie Stuttgart orientieren, die 5 € pro Kopf ausgeben.

 

3. Welche Radverkehrsmaßnahmen halten Sie für besonders dringlich in Jena?

Für besonders dringlich für den Fahrradverkehr in Jena halten wir den Ausbau des Gleises 3, die Zufahrt für Schüler*innen zur Gemeinschaftsschule in Jena-Ost und die Verkehrsführung am Nollendorfer Hof.

Besonders dringlich sind:

  • die Erhöhung der Verkehrssicherheit auf Radwegen, die von Schüler*innen genutzt werden
  • die Verbesserung der Sicherheit von Radverkehrsstreifen (Abstände)
  • Erweiterung der Abstellflächen
  • Berücksichtigung der Zunahme von Pedelecs und E-Bikes.

 

4. Wie würden Sie das Problem der mangelnden Fahrradabstellanlagen in Jenas Innenstadt angehen?

Wir würden zunächst von der Stadt einen Bericht über die aktuelle Situation einfordern (Zahl der Stellplätze, Verteilung, Nutzung und mögliche Erweiterung)  und dann eine entsprechende Beschlussvorlage über den Bau neuer Stellplätze in den Stadtrat einbringen.

Ein mit der BI Innenstadt, der Universität, den Nutzer*innen, dem Beirat, dem Stadtrat und der Verwaltung diskutiertes und abgestimmtes Abstellkonzept für die Innenstadt wäre eine Voraussetzung. Die Fragen der Sondernutzungsgebühren, der Dauerabstellmöglichkeiten in Parkhäusern und der Erweiterung von Park& Ride an den Innenstadtbahnhöfen müssen geklärt werden.

 

5. Was werden Sie dafür tun, dass mehr Schüler mit dem Rad zur Schule fahren statt von den Eltern mit dem Auto gefahren zu werden?

Hier wäre für uns zunächst die Frage zu klären, ob die Eltern die Kinder fahren wollen oder die Kinder gefahren werden wollen. Des weiteren ist die Länge und Art des Schulwegs zu betrachten, ob es sichere Fahrradwege gibt und ob öffentliche Verkehrsmittel eine Alternative darstellen. Sind die Verhältnisse fahrradfreundlich, wären gemeinsam mit der Schule organisierte Informationsveranstaltungen denkbar. Sollten die Bedingungen nicht fahrradfreundlich sein, so sollte von der Stadt auf Schulwegen gezielt nachgebessert werden.

In erster Linie würde ich die Verkehrssicherheit für den Schüler*innenverkehr erhöhen. Dazu gehören ausgearbeitete, mit den Eltern diskutierte und veröffentlichte Schulwegkonzepte, sichere Schulwege, Vorrang für Rad- und Fußverkehr bei den dortigen Verkehrsanlagen und die Verbesserung der Mobilität der Kinder. Die Verkehrserziehung in der Schule und die praktische Radfahrausbildung durch die Polizei leisten ebenso ihren Anteil.

 

6. Viele Radfahrer in Jena wünschen sich mehr Raum für sicheres Radfahren. Halten Sie es für angemessen, den Verkehrsraum zu Gunsten des Radverkehrs zu verändern?

Wir halten es nicht nur für möglich, sondern auch für notwendig. Auch angesichts der Klimaentwicklung und der spezifischen Lage der Stadt Jena müssen sich deutlich mehr Menschen mit dem Fahrrad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln fortbewegen.

Wir müssen im Interesse unserer Bürgerinnen und Bürger die Lebens- und Aufenthaltsqualität in unserer Stadt erhöhen. Eine der wirksamsten Maßnahmen zum Lärm- und Umweltschutz und zur Verbesserung der Verkehrssicherheit ist die Erhöhung des Mobil Split zugunsten von ÖPNV, Fahrrad- und Fußverkehr. Dazu gehört ein ganzer Komplex an notwendigen Maßnahmen, z.B.:

  • mehr barrierefreie, gut getaktete Straßenbahnen und Busse
  • der Ausbau des Radwegenetzes
  • wesentlich sicherere Radfahrstreifen
  • Tempo 30, z.B. auf der Karl-Liebknecht-Str. und mehr Tempo 30- Zonen
  • Vorrangschaltungen für Radfahrer*innen
  • die Beseitigung von Hindernissen an vielbefahrenen Radwegen.
  • die Veränderung des Verkehrsraumes zugunsten des Umweltverbundes.

Die Errichtung von Fahrradabstellanlagen sollte einen höheren Stellenwert bekommen. Die Änderung der Thüringer Bauordnung kann dafür noch bessere Voraussetzungen schaffen.