Linke: Vorgänge beim Deutschen Optischen Museum werfen Fragen auf
Für die Stadtratsfraktion Die Linke werfen die Vorgänge um die geplatzte Berufung des Werkleiters von JenaKultur zum Verwaltungsdirektor beim Deutschen Optischen Museum (D.O.M.) viele Fragen auf, die nicht zuletzt die Stadt Jena beantworten sollte.
Für die Begleitung des Projekts „Deutsches Optisches Museum“ in der abschließenden Bauphase und die Ausgestaltung der Ausstellung sollte nach Ankündigung der Stadt Jena vom 09.09.2026 der Werkleiter von JenaKultur, Carsten Müller, die Verwaltungsdirektion übernehmen. Inzwischen wurde die Ankündigung mit Pressemitteilung vom 05.10.2026 von der Stadt wieder zurückgenommen. Darin wird erklärt, dass Carsten Müller eine „belastbare und vertrauensvolle Zusammenarbeit in der Leitung“ nicht mehr als gegeben ansehe. Das intransparente Hin und Her wirft aus Sicht der Linken ebenso viele Fragen auf wie die Feststellung der fehlenden vertrauensvollen Zusammenarbeit.
„Wir finden die Vorgänge mehr als irritierend. Erst feiert die Stadtspitze den Wechsel des Werkleiters zum D.O.M., der für den Eigenbetrieb JenaKultur hochproblematisch ist. Dann erfolgt ein Rückzug, der praktisch eine Misstrauenserklärung gegenüber der bisherigen Leitung der Stiftung ist. Das erweckt den Eindruck: Da ist etwas faul!“, erklärt Jens Thomas, Vorsitzender der Fraktion. „Wenn innerhalb weniger Wochen eine neue Leitungsstruktur angekündigt und anschließend wieder zurückgenommen wird, muss das erklärt werden. Es geht hier um die Leitung eines für Jena wichtigen und finanziell erheblichen Projekts.“
Die Fraktion hat deshalb einen Fragenkatalog beim Oberbürgermeister eingereicht: Von wem ging die Initiative aus, Müller zum Verwaltungsdirektor der Stiftung zu machen? Diese Position war bisher in der Stiftung gar nicht vorgesehen. Welche Erwartungen hatte die Stadt mit der Berufung verbunden? Welche Einfluss- und Kontrollmöglichkeiten hat sie gegenüber der Stiftung tatsächlich?
Weitere Fragen betreffen die Arbeit der Stiftungsgremien, die Berichterstattung des Direktors gegenüber dem Kuratorium und die Information des Stadtrates durch den Oberbürgermeister. Dem zuständigen Werkausschuss JenaKultur wurde die Entscheidung mitgeteilt, ohne dass er ein Mitspracherecht hatte. Ebenso soll geklärt werden, welche Informationen über die Stiftung im städtischen Beteiligungsmanagement erfasst werden.
Besonders kritisch sieht die Fraktion die finanzielle Entwicklung des Museumsprojekts. Erneut wurden in der Presse höhere Kosten verlautbart, ohne dass die Finanzierung klar wäre. Beim Stadtratsbeschluss von 2023 ging man noch von Gesamtkosten in Höhe von rund 56,7 Millionen Euro und Fördermitteln in Höhe von rund 32 Millionen Euro aus. Inzwischen ist von 69 Millionen Euro die Rede, eine Steigerung von über 20 Prozent. Ob die Fördersumme entsprechend steigt, weiß der Stadtrat nicht.
„Die Stadt hat bereits erhebliche Mittel für das Museum bereitgestellt. Schon deswegen hoffen wir natürlich, dass es jetzt nicht scheitert. Aber das D.O.M. darf kein Fass ohne Boden werden. Die Stadt kann sich in der jetzigen Haushaltslage keine weiteren außerplanmäßigen Zuschüsse leisten. Gerade deshalb wollen wir wissen, wie sich die Kosten tatsächlich entwickelt haben, welche weiteren Verpflichtungen auf die Stadt zukommen und wer diese am Ende tragen soll“, sagt Thomas. „Das Projekt ist für Jena von großer Bedeutung. Gerade deshalb muss nachvollziehbar sein, wer welche Entscheidungen trifft, wer welche Verantwortung trägt und wie die Finanzierung langfristig gesichert werden soll.“

