Kein Herz für Igel

„Wie kann man Schutzmaßnahmen für Igel ablehnen?“, fragt sich Stadträtin Heidrun Jänchen (Piraten), die für die Fraktion Die Linke die Vorlage für ein Nachtfahrverbot für Mähroboter im Stadtrat vorstellte. Was kurios klingt, hat einen ernsten Hintergrund: Igel-Auffangstationen melden immer mehr Tiere mit Schnittverletzungen, weil Igel die Gartengeräte entweder nicht als Gefahr wahrnehmen oder sich einfach zusammenrollen. Experten gehen von einer hohen Dunkelziffer aus, da viele Tiere nicht gefunden oder nicht gemeldet werden. Von denen, die professionelle Hilfe erhalten, stirbt rund die Hälfte trotzdem. 

Dass Mähroboter kleine Tiere erkennen und ausweichen, ist eher die Ausnahme. Forscher des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung testeten 19 verschiedene handelsübliche Geräte, deren Schneidblätter zur Sicherheit entfernt worden waren. Bis auf ein einziges reagierten sie erst bei Körperkontakt auf den Igel – was mit Schneidblättern zu spät wäre. Die sicherste Präventionsmaßnahme ist nach Ansicht der Forscher, auf Rasenmähen in den Dämmerungs- und Nachtstunden zu verzichten, weil dann die Tiere auf Futtersuche sind. Auch andere Kleintiere, wie etwa Kröten sind dann unterwegs.

Der Westeuropäische Igel wurde 2024 als „potenziell gefährdet“ in die Rote Liste aufgenommen. In Deutschland gehen die Bestände seit Jahren zurück, weil Lebensräume durch die industrielle Landwirtschaft zerstört werden. Stadtrandgebiete mit strukturreichen Gärten sind für die Art überlebenswichtig.

„Natürlich wäre ein Nachtfahrverbot für Mähroboter ein Eingriff in die persönliche Freiheit“, erklärt Jänchen. „Aber wir müssen uns entscheiden, was wichtiger ist: ein jederzeit exakt herunter gemähter Rasen oder das Überleben der Igel.“ Sie ist überzeugt, dass die meisten Unfälle durch Unkenntnis verursacht werden. Deshalb hatte die Fraktion Die Linke auch beantragt, dass die Stadt auf ihren Social-Media-Kanälen über igelfreundliche Gartengestaltung aufklärt. Das sei zu viel Aufwand für zu wenig Nutzen, hieß es im Stadtrat – dabei sind bereits im letzten Juli mehrere Beiträge auf städtischen Accounts erschienen, die ausdrücklich fordern, nur bei Tageslicht zu mähen.

Die Mehrheit der Stadträte mochte sich dem Antrag letztendlich nicht anschließen. Im Straßenverkehr würden mehr Igel getötet, strafbar sei das Verletzen der Tiere sowieso, und außerdem könnte man das Verbot nicht kontrollieren, hieß es in der Debatte. Die Fraktion Die Linke hofft nun darauf, dass die Gartenbesitzer sensibler auf das Problem reagieren.